10.11.

10. November 2011

Interdisziplinäre Tagung: David Friedrich Strauß als Schriftsteller - Werk und Wirkung

Zeit
10. – 12. November 2011

Mit Das Leben Jesu (1835) wurde der Tübinger Repetent David Friedrich Strauß (1808-1874) schlagartig und europaweit berühmt. Das Buch fordert die Überwindung der vorwissenschaftlichen »mythischen« Vorstellung Jesu Christi zugunsten eines begrifflich-vernünftigen Verständnisses der Evangelien. 

 
Dieser mutige Versuch, die traditionellen Wahrheiten wissenschaftlichen Denkformen anzupassen, brachte Strauß den Ausschluss aus dem Kirchendienst; gleichzeitig machte es ihn zu einem machtvollen Anreger für die vormärzliche Freiheitsbewegung, mehr noch: für das Denken seiner gesamten Epoche.
Obwohl sich ein großer Teil seines Werkes historisch-politischen und literarischen Themen widmet, wird Strauß‘ Name heute vor allem in Theologenkreisen genannt. In allen seinen Schriften versucht er, traditionelle Positionen mit modernem Wissen zu vermitteln; sie sind daher oft von konstruktiven Widersprüchen geprägt. Dass Nietzsche Strauß in den 70er Jahren als »unzeitgemäß« bezeichnet, ist ein Beweis für die epochentypische Fortschrittsdynamik im Denken, die nicht zuletzt durch die Straußschen Schriften angetrieben wurde.
 

In der Tagung wurde erstmals das breite Spektrum des Straußschen Werkes erschlossen; Literaturwissenschaftler, Theologen, Philosophen, Sozial- und Bildungshistoriker referierten und diskutierten.

 

 

Interdisziplinäre Tagung 
der Universitäten Stuttgart und Tübingen im Tübinger Stift
 
 
 
Programm:
 
 
- Donnerstag, 10. November 2011 -
 
9.00 Uhr
Begrüßung und Einführung 
Barbara Potthast, Volker Henning Drecoll
 
David Friedrich Strauß im Glauben und Wissen seiner Zeit
Myriam Gerhard (Oldenburg)
 
Strauß und Johann Christian Friedrich Steudel. Zur Auseinandersetzung von Strauß mit dem Tübinger Supranaturalismus
Volker Henning Drecoll (Tübingen)
 
 
Kaffeepause
 
 
›Die christliche Glaubenslehre‹ (1840/41) – literarische Form und theologischer Gehalt
Reinhold Rieger (Tübingen) 
 
›Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet‹ als darstellerische Leistung
Ulrich Köpf (Tübingen)
 
 
14.30 Uhr
Literarische Voraussetzungen, Kontexte und Nachwirkungen des ›Leben Jesu‹ im Vormärz
Udo Koester (Hamburg)
 
David Friedrich Strauß im Jahre 1848
Norbert Waszek (Paris)
 
 
Kaffeepause
 
 
Heinrich Heines und David Friedrich Strauß‘ Streitschriften gegen Wolfgang Menzel. Zur Strategie literarisch-philosophischer Fehden im Vormärz
Bernd Füllner (Wuppertal)
 
Karl Gutzkows Sicht von David Friedrich Strauß
Gert Vonhoff (Exeter)
 
 
*** Öffentlicher Abendvortrag ***
 
20.00 Uhr
Ulrich Gaier (Konstanz)
 
 
 
- Freitag, 11. November 2011 -
 
8.30 Uhr
David Friedrich Strauß – Junghegelianer lebenslänglich
Martin Hundt (Schwielowsee) 
 
David Friedrich Strauß: Die Fraktionen der Hegel-Schule, seine Charakterisierung Schleiermachers und das ›lange 19. Jahrhundert‹
Lars Lambrecht (Hamburg)
 
 
Kaffeepause
 
 
›Der alte und der neue Glaube‹ als Weltanschauungsschrift
Horst Thomé (Stuttgart)
 
Religiös oder religioid? ›Der alte und der neue Glaube‹ und die Bürger-Mentalitäten in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts
Olaf Briese (Berlin)
 
14.30 Uhr
»Spiegelungen meines Schicksals.« Zur Lyrik von David Friedrich Strauß
Günter Häntzschel (München)
 
Die ›Autobiographie‹ des Biographen – David Friedrich Strauß‘ ›Literarische Denkwürdigkeiten‹
Peter Hasubek (Göttingen)
 
 
Kaffeepause
 
 
Strauß und Lessing
Johannes Endres (Riverside, Californien)
 
»Einer aus jenem Titanengeschlechte«. Zum Schubart-Bild von David Friedrich Strauß
Barbara Potthast (Stuttgart)
 
 

*** Abendprogramm ***

Stadtführung durch Tübingen

 
 
 
- Samstag, 12. November 2011 -
 
9.00 Uhr
Romantiker, Reaktionär, Psychopath. David Friedrich Strauß‘ ›Julian der Abtrünnige‹ und die deutsche Monarchenkritik im 19. und 20. Jahrhundert
Stefan Gerber (Jena)
 
Ein Humanist im Kampf »gegen alles Undeutsche, Unfreie, Unwahre« – David Friedrich Strauß als Hutten-Biograph
Sylvia Brockstieger (Tübingen)
 
 
Kaffeepause
 
 
»Das aber vergißt die Theologie unserer Zeit nur gar zu gern.« David Friedrich Strauß liest Hermann Samuel Reimarus
Cornelia Rémi (München)
 
Die moderne Weltanschauung. Gottfried Keller und David Friedrich Strauß
Sikander Singh (Saarbrücken)
 
14.00 Uhr
David Friedrich Strauß' ›Charakteristiken‹ im gattungsgeschichtlichen Kontext
Lutz Pietsch (Tübingen)
 
Strauß und die ›Geniepromotion‹
Hans-Otto Binder (Tübingen)
 
 
Kaffeepause
 
 
Die kontroverse Freundschaft zwischen David Friedrich Strauß und Friedrich Theodor Vischer
Francesca Ianelli (Rom)
 
David Friedrich Strauß, Friedrich Theodor Vischer und die Geister des Justinus Kerner
Stefan Knödler (Tübingen)
 
 
 
Kontakt:
Evangelisches Stift, Klosterberg 2, 72070 Tübingen
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