13.11.

13. November 2012, 20:15 Uhr

Eckhart Arnold: Die Tragödie der öffentlichen Güter oder wie findet man politische Mechanismen zur Lösung von Nachhaltigkeitsproblemen?

Reihe: Ringvorlesung: Zukunftsprojekt Erde – Globalisierung, Technisierung und Gerechtigkeit gegenüber Mensch und Natur

Zeit
13. November 2012, 20:15 Uhr
In den 80er Jahren hat Hans Jonas in einem der ersten umfassenden systematischen Entwürfe zur Umweltethik ganz unsentimental die Frage durchgespielt, ob der Marxismus und damit die Diktatur oder der Kapitalismus und damit die Demokratie der Gefahr globaler Umweltzerstörung besser begegnen kann. Seitdem geistert die Denkfigur des Ökodiktators immer wieder durch die Umweltdebatten, besonders dann, wenn es um globale Umweltprobleme geht. So glaubten unlängst Nico Stehr und Hans von Storch im aktuellen Klimadiskurs antidemokratische Töne ausmachen zu können. In der Tat können Fallstudien, wie etwa Jared Diamonds "Collapse", die unter anderem auch erfolgreiche Beispiele autoritärer Lösungen von Umweltproblemen aufweisen, zu der Schlussfolgerung verführen, dass eine Ökodiktatur unter Umständen besser geeignet sein könnte, die drohende Öko-Apokalypse abzuwenden. Auch die ökonomische Theorie ging lange Zeit davon aus, dass zumindest eine zentralistische Lösung von Kollektivgüterproblemen (zu denen Umweltprobleme typischerweise gehören) unvermeidbar sei. Demgegenüber hat die jüngere Forschung jedoch herausgestellt, dass es eine bunte Vielfalt unterschiedlicher Lösungsmöglichkeiten von Kollektivgüterproblemen gibt, unter denen, je nach den näheren Umständen, lokale Lösungen auch sehr viel besser abschneiden können als zentralistische Lösungen. Leider gibt es kein einfaches Prinzip, nachdem man im Vorhinein bestimmen könnten, welcher Ansatz für ein bestimmtes Kollektivgutproblem am besten geeignet ist. Statt sich von vorn herein auf bestimmte Lösungen festzulegen, ist es besser verschiedene Ansätze gedanklich durchzuspielen und ggf. auch auszuprobieren. Dafür ist die föderale Demokratie allerdings besser geeignet als eine zentralistische Diktatur.

Eckhart Arnold hat in Bonn Politikwissenschaft, Öffentliches Recht und Philosophie studiert. Er hat 2007 in Düsseldorf über simulationsgestützte Erklärungen von Altruismus in der Evolution promoviert. Nach Zwischenstationen als Dozent und Post-Doc in Bayreuth (Philosophy & Economics) und Stuttgart arbeitet er nun als Lehrkraft an
der Hochschule Coburg.
Universitätsbibliothek, Holzgartenstr. 16, 70174 Stuttgart
Zum Seitenanfang