Beim fünften Treffen von „SciComm Stuttgart. Netzwerk Wissenschaftskommunikation“ am 27. Januar 2026 war das Netzwerk zu Gast beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Im Mittelpunkt stand diesmal die Frage, wie Wissenschaftsthemen erfolgreich in den Medien platziert werden können – ein Thema, das auf großes Interesse und lebhafte Diskussionen stieß.
Zu Beginn boten Führungen durch vier DLR-Institute spannende Einblicke in die Forschung vor Ort. Die Teilnehmenden erhielten einen Überblick über aktuelle Entwicklungen: Gruppe 1 wurde eingeführt in den aktuellen Stand des „Next Generation Taxi Train“, einem kleinen autonom fahrenden Schienenfahrzeug zur Reaktivierung wenig genutzter Güterstrecken im ländlichen Raum und in den Einsatz und die Funktionsweise moderner Fluggasturbinen, in denen sowohl flüssige als auch gasförmige Brennstoffe wie Kerosin, Wasserstoff oder Erdgas getestet werden. Gruppe 2 erhielt eine Einführung in innovative Ansätze des High-Tech-Leichtbaus für besonders stabile Strukturen in der Luft- und Raumfahrt. Außerdem lernte sie das Verfahren des Satellite Laser Ranging kennen, mit dem sich die Umlaufbahnen von Satelliten und Weltraumschrott präzise bestimmen lassen.
Im Anschluss kamen die Gruppen wieder zusammen und die DLR-Standortleiterin Anke Kovar und Elke Uhl (IZKT) begrüßten das versammelte Netzwerk.
Einen praxisnahen Einstieg in das Thema lieferte Carina Kanitz (DLR) mit ihrem Vortrag zur Kommunikation von Quantentechnologien. Anhand anschaulicher Beispiele – von Mitmachformaten auf Festivals bis zu interaktiven Spielen – zeigte sie, wie sich auch komplexe Inhalte niedrigschwellig und zielgruppengerecht vermitteln lassen. Entscheidend sei dabei ein Dialog auf Augenhöhe und ein klarer Alltagsbezug.
Zentrales Highlight war die Gesprächsrunde zum Thema "Wie gelangen Wissenschaftsthemen erfolgreich in die Medien?" mit Vertreter*innen aus verschiedenen Medien: Salome Berblinger (Bild der Wissenschaft), Bettina Hartmann (Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten), Sybille Müller (SWR) und Moritz Fehrle (Deutschlandradio). Moderiert von Cornelia Varwig (Bosch Health Campus) wurde deutlich: Die Konkurrenz um Aufmerksamkeit ist hoch – täglich erreichen Redaktionen eine Vielzahl an Pressemitteilungen. Umso wichtiger ist klare Relevanz – ein erkennbarer Nutzen für die Lebensrealität der Menschen. Themen haben besonders auch dann Chancen, wenn sie an konkrete Anlässe anknüpfen – etwa aktuelle Ereignisse oder gesellschaftliche Debatten – und schnell, zum richtigen Zeitpunkt, angeboten werden.
Neben gut aufbereiteten Inhalten spielen auch Personalisierung und Anschaulichkeit eine zentrale Rolle: Geschichten über Menschen, identifizierbare Persönlichkeiten oder auch ein gewisser „Coolnessfaktor“ können den Zugang erleichtern. Ebenso entscheidend sind starke visuelle Elemente, die Inhalte bildhaft vermitteln. Persönliche Kontakte in die Redaktionen sowie die Fähigkeit von Forschenden, komplexe Themen verständlich zu erklären, erhöhen die Chancen auf Berichterstattung erheblich. Auch ein gezieltes, einmaliges Nachhaken bei Pressemitteilungen kann sinnvoll sein, um Aufmerksamkeit zu schaffen.
Gleichzeitig wurde diskutiert, wie auch Grundlagenforschung stärker sichtbar gemacht werden kann – etwa über erzählerische Zugänge, Personalisierung oder die Einbettung in aktuelle Kontexte. Einigkeit bestand darin, dass Wissenschaftskommunikation dann besonders erfolgreich ist, wenn sie verständlich, relevant, zeitnah und anschlussfähig gestaltet wird.
Mit der Vorstellung der „Science Seeing Tour Stuttgart – Käpsele Tour“ durch Nadine Lahn (Universität Stuttgart / Fraunhofer IAO) wurde abschließend ein innovatives Format präsentiert, das Wissenschaft erlebbar in den Stadtraum bringt – interaktiv, spielerisch und nah an den Menschen.
Das nächste Netzwerktreffen ist für den 22. September 2026 am Fraunhofer IAO geplant.
SciComm Stuttgart. Netzwerk Wissenschaftskommunikation ist eine Initiative des Internationalen Zentrums für Kultur- und Technikforschgung (IZKT) der Universität Stuttgart und des in der Abteilung Koordination S21/Rosenstein und Zukunftsprojekte angesiedelten Fachbereichs Wissenschaft und Hochschulen der Landeshauptstadt Stuttgart.